Viele Bekannte ≠ Verbundenheit

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Viele Menschen um sich herum zu haben, bedeutet nicht automatisch, dass wir uns auch mit ihnen und der Welt verbunden fühlen. Wir können uns trotz großem Bekanntenkreis unverbunden fühlen.

Früher war ich ständig unter Menschen und sehr oft fehlte der Gegenpart: Zeit und Ruhe für mich selbst. Häufig hatte ich mir das selbst gar nicht so ausgesucht, es war ein Stück Gewohnheit. Viele Menschen, viel Trubel, wenig Privatsphäre, wenig Raum für mich selbst. Damals war mir noch nicht wirklich bewusst, dass ich als Introvertierte mehr Ruhe brauche und Kraft aus dem Alleinsein schöpfe. Ich wusste auch nicht, wie wichtig der Raum für sich selbst ist, ich kannte das lange gar nicht.

Wenige enge Kontakte können eine hohe Verbundenheit bedeuten

Du musst mehr unter Menschen!

Uns wird häufig suggeriert, dass wir mit wenigen sozialen Kontakten vereinsamen. Das stimmt so aber nicht generell. Es gibt auch eine Einsamkeit, die in Mitten vieler Menschen auftreten kann, während man sich mit wenigen, engen Beziehungen sehr wohl und verbunden fühlen kann. ➡️ Ohne sich dabei einsam zu fühlen.

Wer sich einsam fühlt, der sehnt sich also nicht unbedingt nach vielen Menschen, sondern eher nach echter Begegnung. Nach Gleichgesinnten, nach dem Verstanden-fühlen, nach Tiefe, Verbindung und Austausch.

Fehlt die Absichtslosigkeit?


Heute frage ich mich manchmal, ob Unverbundenheit auch daran liegen könnte, dass die Absichtslosigkeit in Begegnungen abhanden gekommen ist? Es wirkt häufig so, als muss mit Begegnungen ein bestimmter Zweck erfüllt werden. Ein Ziel, eine Leistung, eine präzise geplante Absicht.
Sind wir dann aber wirklich noch offen für die Interessen und Werte anderer Menschen?

Klar ist, wir können unterschiedliche Vorstellungen von Verbundenheit, Freundschaft und Begegnung haben.
Trotzdem kommt es mir so vor, als verschiebt sich die Bedeutung von Freundschaften.

Ich finde, man kann Späße machen und gleichzeitig tiefsinnige Gespräche führen. Mittlerweile steht aber oft die Weiterentwicklung im Fokus oder ganz im Gegenteil: Weiterentwicklung ist unwichtig und der oder die andere dient überwiegend nur als seelischer Mülleimer. Viele Bedingungen, Forderungen, Erwartungen und unausgesprochene Wünsche. Und manchmal ist da auch viel Verurteilung, anstatt das Gegenüber so zu respektieren, wie er oder sie ist.

Wenn aber alles nach Plan und unter strengen Bedingungen laufen muss, kommt dann nicht das Interesse am Anderen zu kurz? Können wir uns dann überhaupt für seine oder ihre Leidenschaften und Träume begeistern, aber auch auf die Ängste des Gegenübers einlassen?

Gemeinsam zu wachsen ist nicht negativ oder falsch, aber die Absichtslosigkeit sollte nicht zu kurz kommen. Es sei denn, beide Seiten wünschen sich direkt eine „Arbeitsbeziehung“. Dennoch sollte es sich nicht wie ein Krampf anfühlen.

Wünsche sind normal und wichtig und dürfen kommuniziert werden. Das werden sie allerdings oft nicht. Stattdessen gehen sie über in verärgerte Erwartungen und Forderungen.

Wir müssen nicht immer gleicher Meinung sein und können trotzdem tief verbunden sein



Eine Erwartung, die ich manchmal beobachte ist die, immer gleicher Meinung sein zu müssen und immer in allen übereinzustimmen.
Dabei sind wir nun mal komplex und sehen vieles individuell, das ist doch nichts schlimmes. Wir müssen nicht in allem 100 % übereinstimmen und können trotzdem eng befreundet sein. Wir können uns einander sein lassen und respektieren. Wir können absichtslos und zugleich tief verbunden sein. Wir können unsere Beziehung weiterentwickeln und gleichzeitig humorvoll sein.

Wie geht es dir mit dem Thema, ist dir (gelegentliche) Absichtslosigkeit wichtig?
Findest du, dass Beziehungen zunehmend zweckorientiert sind? Oder eher nicht?

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