Sind Gemobbte selbst schuld?

„Selbst schuld, dass er so behandelt wird!“

„Die ist eben zu empfindlich!“

„Der war schon immer ein Freak!“

Du musst halt mal raus aus deiner Opferrolle!“

Häufig hört man ja, Gemobbte sind selbst schuld an ihrer Misere und viele fühlen sich auch tatsächlich selbst schuldig. So einfach ist das aber nicht! Es gibt keine „Mobbingopferpersönlichkeit“, und die Schuld liegt nicht beim Gemobbten. Nie!

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es manchen Menschen Spaß macht, wenn sie wissen, sie können andere schädigen und verletzen. Die verletzte Reaktion der Gemobbten ist nur allzu verständlich und gerade diese reizt bestimmte Menschen, weiter draufzuschlagen. Es geht also um Macht und Dominanz.

Kinder und Jugendliche schließen zudem häufig Kinder aus oder schikanieren die, die sie als anders oder seltsam empfinden. Dennoch würde ich die Ursache auch beim Umfeld der Mobber sehen. Wer in einem Umfeld aufwächst, in dem keine Unterschiede zwischen „Andersartigen“ gemacht wird, der wird zumindest als Kind gar nicht merken, wenn jemand anders ist. Er wird Anderssein nicht als etwas Negatives bewerten. Er wird nicht unterscheiden zwischen normal und unnormal.

Natürlich kommt es auch auf eigene Erfahrungen an, sowohl von den Tätern als auch von den Gemobbten. Schikanierende, unterdrückende Geschwister oder andere Bezugspersonen; Schulwechsel, Gewalt im Umfeld, private Tragödien, individuelle Charaktereigenschaften usw. Jedoch entbindet kein Grund der Welt die Täter von ihrer Verantwortung und niemand hat das Recht, die Schuld auf die Gemobbten abzuwälzen. Bei letzterem spricht man auch von victim blaming (Täter-Opfer-Umkehr). Niemand verdient Mobbing! Schuld sind auch die Mittäter (Flying Monkeys), die Dulder und die Wegseher, denn sie halten den Terror am Laufen. Auf der Seite des Täters fühlen sie sicherer und weniger angreifbar und werden eher zu Mittätern als Gefahr zu laufen, selbst ausgegrenzt zu werden.

Oft wird Gemobbten leichtfertig empfohlen, sich eben genauso zu verhalten oder anzuziehen wie alle Anderen. Angeblich würde das Mobbing dann aufhören, das ist Quatsch. Für Kinder und Jugendliche ist Zugehörigkeit unglaublich wichtig, umso schlimmer fand ich die Tupfwerbung, die suggerierte, dass nur getupfte Kinder dazugehören. Auch Erwachsene brauchen Zugehörigkeit, aber bei ihnen muss diese nicht mehr unbedingt an erster Stelle stehen.

Hast du selbst victim blaming erlebt?

Hier findest du Hilfe bei Mobbing :

Es gibt auch Anwälte, die sich speziell für Mobbingopfer einsetzen. Der erste Schritt ist in jedem Fall immer, eine Vertrauensperson aufzusuchen.

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