Resilienz sollte kein Mittel sein, um besser zu funktionieren!

Resilienz ist ursprünglich eine positive Eigenschaft. Wer resilient ist, ist widerstandsfähiger gegen Hürden, meistert Krisen besser und kann aus diesen gestärkt hervorgehen. Aus diesem Grund bezeichnete man Resilienz auch als Immunsystem der Seele.

Allerdings benutzt man sogenanntes Resilienz-Training (nach Martin Seligmann) auch, um US-Soldaten kampffähiger zu machen. Traumatische Erlebnisse sollen an ihnen abperlen und posttraumatischen Stress und psychische Störungen von ihnen fernhalten. An israelischen Grundschulen simuliert man Terroranschläge, bei denen die Schüler trainieren, Angst durch positive Gedanken zu bekämpfen. Und auch allgemein will man Extremerfahrungen als Möglichkeit zum Reifen und zur Entwicklung sehen.

Warum habe ich manchmal das Gefühl, dass Mancher bewusst die Extremerfahrungen sucht, um zu „reifen“? Hat das dann wirklich noch mit Resilienz zu tun? Und warum beneidet Mancher scheinbar die Extremerfahrungen anderer, spricht diesen die Schwere ab und beschönigt sie als Mittel zur Reife? Übersieht man da nicht die persönlichen, individuellen Eigenschaften einer Person und reduziert sie lediglich auf ihre Erfahrungen? Und ist das nicht eigentlich traurig?

Wer arbeiten kann, gilt als gesund. Wer nicht arbeiten kann, der soll härter, stärker, widerstandsfähiger, weniger verletzlich, weniger gefühlsstark sein, oder? Ist es das, was man unter Resilienz verstehen möchte?

Resilienz bedeutet nicht, dass wir nicht an den Ursachen der Krisen arbeiten müssten.“

Resilienz ist, ohne Frage, von unschätzbarem Wert. Wir sollten sie aber nicht dazu benutzen, um noch mehr auszuhalten, um uns noch mehr zu verraten und um noch weniger fühlen. Resilienz bedeutet nicht, dass wir unsere Verwundbarkeit verleugnen sollen, und unseren Gefühlen, unserer Verletzlichkeit die Wichtigkeit absprechen.

Wir sind nicht unsterblich, wir sind nicht gefeit vor Krankheiten, vor dem Tod, vor unschönen Erlebnissen oder vor schlimmen Extremerfahrungen. Auch wenn das Teile der religiösen und spirituellen Szenen anders sehen.

Ganz sicher ist es wichtig, dass wir unsere psychische Widerstandskraft stärken, aber ganz sicher nicht sollte „Resilienz-Training“ den Kampf gegen die Ursachen von Krisen ersetzen!

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