Hochsensibilität als Krankheit?

Vor kurzem habe ich mich gefragt, ob Hochsensibilität für viele Menschen wohl greifbarer wäre, wenn man es als Krankheit bezeichnen würde. Wahrscheinlich nicht und für uns Hochsensible selbst, die sich sowieso schon gegen eine Menge Vorurteile wehren müssen, wäre das auch alles andere als schön.

Hochsensible und introvertierte Menschen verarbeiten Informationen anders

Hochsensibilität ist keine Krankheit oder Störung! Dennoch scheinen viele Menschen nicht zu wissen, dass unsere Gehirne nicht alle gleich funktionieren und das eine höhere Reizdurchlässigkeit trotzdem keine Krankheit bedeutet. Die Sinne können nicht einfach einmal „ausgeschaltet“ werden. Das bedeutet, einem Hochsensiblen zu sagen, er solle sich eben mal zusammenreißen, nutzt nichts. Im Gegenteil, einem Introvertierten könnte man zwar auch sagen, dass jetzt mal extrovertiert sein soll. Doch der „Introvertierte“ kann vielleicht eine extrovertierte Maske aufsetzen, dennoch wird er nie eine extrovertierte Person sein. Das Gehirn von Hochsensiblen und Introvertierten arbeitet einfach anders, es verarbeitet Informationen oft gründlicher und vielschichtiger. Was wie eine Wunderwaffe klingt, ist in einigen Situationen allerdings von Nachteil.

Temperament Hochsensibilität

Es bringt daher wenig, sich „zusammenzureißen“ und in diesem Fall das eigene Verhalten oder sogar die eigene Person verändern zu wollen, weil die Ursache (eine andere Verarbeitung von Informationen) im Gehirn liegt. Der „gute Wille“ mag vielleicht Denkmuster verändern können, aber nicht Personen. Die Hochsensibilität und die Introversion sind Temperamente. Verlangt man von Hochsensiblen endlich mal weniger sensibel zu sein, wird die Person sich vermutlich falsch und schlecht fühlen. Ich sehe dies häufig bei Menschen in meinem Umfeld, die introvertiert sind und sich bemühen, extrovertiert zu sein. So wie sich manch Hochsensibler bemüht, weniger sensibel zu sein. Das ist ziemlich traurig, denn viele haben das Gefühl nicht so in Ordnung zu sein, wie sie sind.

Überaktive Sinne

Die hochsensiblen Sinne sind überaktiv sind, das spürt man immer wieder. Dennoch können die Ausprägungen sehr unterschiedlich sein. Nicht jeder Hochsensible nimmt also den Duft des mehrere Kilometer entfernten Lavendefeldes wahr.😉 Meistens kann ein Hochsensibler zwar in Menschenmengen gehen, es wird aber häufig Situationen geben, in diesen er sich deutlich überwältigt und erdrückt davon fühlt. Hochsensible nehmen Emotionen anderer Menschen auf, wir können sogar Gedanken lesen. 😁 Nein, Spaß. Aufgrund von Mimik, Gestik und Empfindungen können Hochsensible, aber auch empathische Personen, höchstens Vermutungen anstellen. Empfindungen können mitunter allerdings auch schnell irritierend und verwirrend sein.

Elaine Aron fasste die Indikatoren für Hochsensibilität übrigens unter dem Akronym DOES zusammen.

Im Einzelnen bedeutet das:
D – Depth of Processing, im Deutschen als Verarbeitungstiefe von Informationen zu verstehen.
O – Easily Overstimulated. Aufgrund der vorhandenen Verarbeitungstiefe ist die persönliche Reizschwelle schneller erreicht.
E – Emotional Reactivity and High Empathy. Emotionale Berührbarkeit, die sich speziell in der Ansprechbarkeit auf negative Reize verstärkt.
S – Sensitivity to Subtle Stimuli. Wahrnehmung auch für subtile Reize, Bewusstsein und Wahrnehmung von Feinheiten.

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