Von Ängsten, Hochsensibilität und einer starken Wandlung – Interview mit Lisa

Hey liebe Community,

endlich habe ich das schon länger versprochene Interview führen können. Ich habe mit der lieben Lisa* (Name geändert) über ihre Ängste in der Jugendzeit, die Hochsensibilität und Persönlichkeitsentwicklung gesprochen. Wir kennen uns durch unsere kaufmännische Ausbildung und sind auch schon länger sehr gut befreundet .

Sara: Hey Lisa*, ich freue mich, dass du zu einem Interview zu Thema „Entwicklung und Wachstum“ zugestimmt hast. Magst du erstmal kurz ein paar Dinge über dich erzählen?

L: Hey! Ich bin 26 Jahre alt, wohne gerade in Leipzig und mache mein Abi. Begeisterung finde ich in vielem, aber am liebsten schaue ich Serien, Filme und YouTube-Videos. Schreiben und Musizieren gehören ebenfalls zu meinen Hobbies.

S: Genau, wir können gleich ins Thema einsteigen, du hast ja auch eine erlebnisreiche Geschichte und Zeit hinter dir, wie hast du deine Kindheit verlebt und empfunden?

L: Meine Kindheit habe ich sehr verschwommen in Erinnerung. Sie verging sehr schnell. Manchmal fällt es mir sehr schwer sie als ein Teil meines Lebens zu sehen. Es ist, als hätte ich die meiste Zeit mit offenen Augen geschlafen und selbst im wachen Zustand nicht richtig verstanden, was um mich herum passiert.

S: Verstehe und ich glaube, du hattest u.a. auch mit Unsicherheiten & Ängsten zu kämpfen, oder?

L: Ja, meine größte Angst war, mit anderen zu sprechen. Zudem wuchs meine Unsicherheit, weil ich in jungen Jahren nach Deutschland zog und erstmal die Sprache lernen musste. Wenn man ängstlich ist und zusätzlich nicht alles versteht, was einem gesagt wird, stärkt das nicht gerade das Selbstbewusstsein. Fehler zu machen, war mein größter Albtraum.

S: Ja, das kann ich gut nachvollziehen, wie war es dann mit dem Einstieg ins Berufsleben für dich?

L: Dieser war sehr schlimm für mich. Meine Familie übte großen Druck auf mich aus, dass ich etwas Anständiges mache. In der Schule lief es bereits nicht gut und in der Berufsberatung wurde ich aufgrund meines scheuen Verhaltens bemitleidet. Ich wusste nicht, was ich in der Zukunft machen sollte und fühlte mich einfach nicht bereit. Schlussendlich habe ich zahlreiche Ausbildungen, Praktika und Maßnahmen angefangen, aber das Meiste aus Überforderung abgebrochen. Ich fühlte mich wie ein Loser. wie jemand, der es nicht schafft seinen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

S: Klingt nach sehr schlimmen Erlebnissen und einer sehr schwierigen Zeit, wie hast du es geschafft, deinem Leben eine positive Richtung zu geben?

L: Als Jugendliche habe ich eine Freundin kennengelernt, die sehr verständinsvoll war und sich all meine Sorgen wie Ängste anhörte. Ich fühlte mich zum ersten Mal verstanden und ernst genommen. Auch Therapien halfen mir sehr weiter. Später, in meiner Ausbildung, fühlte ich mich endlich als Teil eines Teams, nicht als unbeliebter Außenseiter. Nicht zu vergessen ist die investierte Zeit für Recherchen im Internet, vor allem Videos und Artikel über Persönlichkeitsentwicklung oder Berichte von ebenfalls Betroffenen.

Ein einziges, prägendes Ereignis gab es nicht. Viele Faktoren kamen zusammen, welche mir langsam, aber stetig, die Weichen für eine positive Veränderung legten.

S: Da hat sich ja wirklich richtig viel verändert! Das ist echt wertvoll und alles andere als selbstverständlich. Wie geht es dir heute? Hast du auch im Allgemeinen deine Lebenseinstellung verändern können?

L: Ich bin sehr viel zufriedener mit meinem Leben. Seit ich Verantwortung für mein Glück übernommen habe, statt immer nur den Umständen die Schuld zu geben, bin ich in der Lage aktiv an Problemen und Zielen zu arbeiten.

Heute bin ich von Menschen umgeben, die mich verstehen. Ich lebe viel bewusster, mehr im Gleichgewicht. Besonders die Auseinandersetzung mit Veganismus bringt mich gesundheitlich und persönlich weiter. Ich beschäftigte mich Jahre damit, wie die Umwelt mich beeinflusste und nun weiß ich, dass es umgekehrt genau so wichtig ist, zu wissen, welchen Einfluss man selbst auf die Umwelt hat.

S: Da hast du ja wirklich eine starke Wandlung erlebt. Wie schön, dass es dir nach der schwierigen Zeit so gut geht. Du bist ja unter anderem auch hochsensibel, wie hast du eigentlich von deiner Hochsensibilität erfahren und inwieweit hat sie dich positiv und negativ beeinflusst?

L: Man hat mich schon oft darauf hingewiesen, dass ich sensibel sei, aber auf die Hochsensibilität kam ich unter anderem bei meinen Recherchen im Internet. Vielleicht fiel der Begriff auch schon früher in Therapien, ohne dass ich ein besonderes Augenmerk darauf richtete.

Die Hochsensibilität empfand ich lange als störend. Im Unterricht bekam ich nach kurzer Zeit Kopfschmerzen, weil ich die Flut an Gesagtem nicht schnell genug verarbeiten konnte. Ich denke, ich habe keinen natürlichen Filter, der unnütze Informationen abfängt und nehme daher alles als wichtig wahr, bevor ich manuell mit dem Sortieren beginne.

Zwar reagiere ich auch sensibel auf Lautstärke und schnelle, hektische Bewegungen (vor allem im Fernsehen), aber die Informationsfluten sind bis heute meine größte Herausforderung.
Gleichzeitig bringt es natürlich Vorteile, langsamer und sorgfältiger vorzugehen, vor allem, um komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Das als Stärke zu sehen, war anfangs nicht leicht. Die moderne Gesellschaft gibt der Schnelligkeit – nicht der Nachhaltigkeit – einen so hohen Stellenwert, dass man als sensibler Mensch den Eindruck bekommt, man würde nicht hinterherkommen. Aber ich möchte das Tempo gar nicht mehr halten und konzentriere mich mehr darauf, wie mit meiner Vorgehensweise meine Ziele erreiche.

S: Danke für deine Offenheit und Zeit. Es war ein schönes Gespräch. Du hast, meine ich, sehr viele wertvolle Tipps und Anregungen weitergegeben. Danke nochmal, vielleicht hast du ja später einmal Lust zu einem weiteren Interview. 🙂

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