3 Missverständnisse über Hochsensibilität

1. Hochsensibilität ist eine Krankheit

Nein! Hochsensibilität ist weder Krankheit noch Charakterschwäche, ich meine HS ist einfach ein Persönlichkeitsmerkmal, welches unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann.

2. Menschen, die sich als hochsensibel bezeichnen, wollen nur Aufmerksamkeit.

Auch das ist nicht richtig, dafür gibt es den Begriff Hochsensibilität auch schon zu lange, leider wird er eben auch missbräuchlich verwendet und missverstanden sowieso. Sicher kann es einzelne Menschen geben, die Sensibilität als Entschuldigung vorschieben, ich habe allerdings noch nie solche kennengelernt.

Unsere westliche Welt sieht die Sensibilität anscheinend immer noch als Schwäche an, besonders sensible Männer haben es schwer. Auch ich als Frau habe lange dagegen angekämpft, bis ich in der hohen Emotionalität auch Stärken sehen konnte.

Es gibt viele Bücher, Blogs über Hochsensibilität und die Wissenschaft kann bestätigen dass es sowohl Menschen als auch Tiere gibt, deren „Filter“ schwächer ausgeprägt sind, als bei den meisten anderen Menschen, dadurch sind sie reizoffener, können sich schwerer abgrenzen, sie sind schneller überlastet aber meistens auch sehr empathisch gegenüber ihren Mitmenschen und empfänglich für Schwingungen.

Also für mich stellt sich die Frage nicht, ob es Hochsensibilität gibt, denn davon bin ich überzeugt, ob man es dann nun empfindsam, überempfindlich, hypersensitiv oder wie auch immer nennt, ist dabei egal, nur hatte das Kind mit Hochsensibilität einen wertfreieren Namen und Anerkennung (im Sinne von gesellschaftlicher Akzeptanz) bekommen.

Zumindest solange bis die Gesellschaft es als Modediagnose labelte.

Ich finde bevor man Hochsensibilität belächelt, sollte man vielleicht erstmal eine Krankheit und Diagnose wie Borderline hinterfragen. Es erscheint mir sehr unwahrscheinlich, dass jeder dritte psychisch Kranke, oder jeder der sich irgendwann einmal selbst verletzte, ein Borderliner sein soll. Noch dazu wenn Kindern oder Jugendlichen diese Störung diagnostiziert wird, wie kann ein Kind eine Persönlichkeitsstörung haben, dessen Persönlichkeit noch nicht mal ausgereift ist? Natürlich können Kinder und Jugendliche auch mal impulsiv sein, das ist aber nicht krank, das ist normal. Dasselbe gilt für ADHS. Das sind meiner Meinung nach Modediagnosen.

3. Hochsensible halten sich für etwas besseres/Besonderes

Nein, aus Eigenerfahrung kann ich sagen, dass oft sogar das Gegenteil der Fall ist, Hochsensible fühlen sich oft falsch, anders, fehl am Platz. In erster Linie hinterfragen sie aber eher sich, anstatt das Umfeld. Die Stärken von Hochsensibilität kann man nutzen, ich finde es aber auch wichtig, sich mit dem Nachteilen auszusöhnen. Einsamkeit ist nicht negativ und einem Hochsensiblen hilft das Alleinsein oft, um neue Energie zu tanken.

Unterschieden werden drei Arten von Hochsensibilität:

  • kognitiv
  • sensorisch
  • emotional

Ich selbst bin introvertiert, hochsensibel (insbes. sensorisch und emotional), es hat jedoch einige Zeit gedauert, bis ich meine Hochsensibilität verstehen und annehmen konnte. Des Weiteren war es schwierig, einen Beruf zu finden, der sich mit der Hochsensibilität vereinbaren lässt und im Alltag mit meiner Empfindsamkeit umzugehen.

Dafür war es zunächst einmal war es wichtig mir über die Vorteile der Hochsensibilität bewusst zu werden und diese zu wertschätzen. Den für mich passenden Beruf habe ich, nach einigen Jahren mit mehreren wechselnden Arbeitsstellen, erst mit 30 gefunden. Nun bin ich freiberufliche Schriftstellerin. 😊

Bei Hochsensibilität sind im Übrigen nicht unbedingt Medikamente oder eine Therapie notwendig. Letztere kann dir aber helfen, dich mit deiner Hochsensibilität besser zu verstehen der häufig einhergehenden Reizüberflutung besser umzugehen.

Die Hochsensibilität weist jedoch auch viele positive Merkmale auf, besonders häufig treten vor allem die folgenden Eigenschaften auf :

  • Geräuschempfindlichkeit
  • Blick für Ästhetik und Farbnuancen
  • feiner Geruchssinn
  • feiner Geschmackssinn
  • Harmoniebedürftigkeit
  • überdurchschnittliche Empathie
  • sehr guter Zuhörer
  • reiches & komplexes Innenleben

Ich habe einen Ratgeber zum Thema Introversion & Hochsensibilität geschrieben.
Um herauszufinden, ob dich die Hochsensibilität ebenfalls betrifft, kannst du einen Test machen. Hier bekommst du auch einen intensiven Überblick über die Vorteile und Nachteile der Hochsensibilität und Tipps zu einem gesunden Umgang.

Alles Liebe,

Sara ❤

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es ist wirklich schade, dass aus allem immer etwas schlechtes gemacht werden muss. Ich würde mich auch als hochsensibel bezeichnen. Für mich war es einfach eine riesige Erleichterung als ich erfuhr, dass es diesen feststehenden Begriff gibt, durch den ich Leute gefunden habe die mir ähnlich sind. Für mich hat die Hochsensibilität sowohl positive als auch negative Seiten, demnach ist man auch nichts besseres. Ich kenne auch keinen der das so empfindet..

    Gefällt 1 Person

    1. farbenfroh_naturverliebt sagt:

      Danke für deinen Kommentar. 😊
      Ja, mir ging es ähnlich, es hat mir einfach geholfen über Hochsensibilität zu lesen und zu lernen, um damit besser leben zu können. Ich glaube man hat als Hochsensibler nicht den Anspruch, dass alle Rücksicht nehmen müssen, aber den Begriff zu kennen, hilft sich selbst besser verstehen und akzeptieren zu können.
      LG und dir einen schönen Abend.

      Gefällt 1 Person

  2. Als Autist bin ich gleichzeitig sensorisch hypersensibel. Emotional bin ich wohl eher das Gegenteil.
    Ich habe schon viele Menschen mit Hypersensibilität kennen gelernt und kann das Meiste, was du schreibst, bestätigen, vor allem, dass diese Eigenschaft auch viel Positives beinhaltet.
    Beim Thema Borderline finde ich auch, dass von vielen Psychiatern bei selbstverletztendem Verhalten zu schnell die Diagnose kommt. Ich kenne einen Fall, wo es eben genauso war, doch diese Person hat garantiert kein Borderline.
    Man sagt ja, jene Persönlichkeitsstörung ließe sich erst in der Pubertät diagnostizieren, doch ich kenne eine Person, die bereits mit zwei Jahren deutliche Borderline-Symptome zeigte. Dies setzte sich in den weiteren Jahren fort. Die Mutter dieser Person ist (ziemlich deutlich) eine diagnostizierte Borderlinerin, deshalb denke ich, dass zumindest die Veranlagung dafür vererbt werden kann.
    Ob vielleicht auch Hochsensibilität genetisch bedingt sein könnte? Es wäre mal interessant ob es Untersuchungen dazu gibt.

    Gefällt 2 Personen

    1. farbenfroh_naturverliebt sagt:

      Danke Johannes für deinen Kommentar. 😊
      Ja, könnte durchaus sein, dass Hochsensibilität auch genetisch bedingt ist.

      Wahrscheinlich wird das auch bei Borderline eine Rolle spielen, trotzdem glaube ich, dass es immer eine Frage des Umfeldes ist bzw. der Umgang des Umfeldes mit der Krankheit oder im Falle von HS, Persönlichkeitseigenschaft.
      Ich denke bei vielen müsste es nicht zu so starker Ausprägung oder größeren Problemen kommen, wenn das Umfeld bereit und fähig ist empathisch auf denjenigen einzugehen und liebevolle Akzeptanz vermitteln kann.

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